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Portraitiert von Nina Werzhbinskaja-Rabinowich
Portraitiert von Nina Werzhbinskaja-Rabinowich

Lesungen:

10.7.2018 Lesung im Café Museum - 19 Uhr 30

Operngasse 7, A-1010 Wien

8.11.2018 Lesung im Zentrum im Werd, Im Werd 6, 1020 Wien.

Texte:

Gedanken zu Clemens Setz' Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" 

Beiträge zum Lesen und zum Herunterladen (im 14-Tage-Rhythmus):

Bist du wahnsinnig geworden?

Textprobe

Meine Fingernägel schneidet sie zu kurz; ins Kino nimmt sie mich mit; ins K i n o ! ein Ort absoluter Primitivität! Zu fremden Leuten im Gemeindebau geht sie mit mir; zu fremden Leuten! Und noch dazu zu solchen, die im Gemeindebau wohnen; die sind ja dumm und primitiv; verwahrlostes Gesindel; Kriminelle wohnen dort. Und dann der Dialekt! Zänttputzen sag ich statt zähneputzen. Jetzt reicht es aber; alles, was recht ist; das geht wirklich nicht mehr. Das letzte Kindermädel wird entlassen. Ich bin gerade fünf. Es passiert im Speiszimmer, das Zimmer, das immer schon das Speiszimmer war, seit den Zeiten der Großeltern. Meine Mutter tobt, das Mädchen weint und ich mach in die Hose. Im Gemeidebau und im Kino war es doch schön! Was für ein Prachtexemplar war doch das vorige Kindermädel; die war nicht kriminell; die hat Matura gehabt und sogar ein abgebrochenes Medizinstudium.

Endlich kann meiner Mutter niemand mehr dreinreden. Sei still; gib eine Ruh; mach mich nicht nervös, schimpft sie die ganze Zeit vor sich hin. Ich muß mich jetzt fertig machen. Setz dich inzwischen am Diwan und gibt eine Ruh. Wo sind die hundert Schilling? Wo ist der Erlagschein? Wo hat dieser Trampel die Schuhe hingetan? Ständig rennt sie von einem Zimmer ins andere. Irgendwer muß doch dran schuld sein, daß sie ihr Halstuch nicht finden kann. Wir gehen gleich; zieh dir inzwischen schon den Mantel an. Gleich gehen wir nie, aber den Mantel zieh ich an. Endlich ist es so weit. Das Kind darf sie nicht verlieren; die Kleine ist so ein lebhafter Bengel. Ganz fest nimmt sie mich an der Hand; den Kleine Finger legt sie vorsichtshalber noch um mein Handgelenk, damit ich ihr nicht auskomm. Irgend etwas Unverständliches murmelt sie die ganze Zeit vor sich hin; und bös schaut sie drein.