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Portraitiert von Nina Werzhbinskaja-Rabinowich
Portraitiert von Nina Werzhbinskaja-Rabinowich

Lesungen:

6. November 2019, 19 Uhr:

Lesung im Republikanischen Club, Rockhgasse 1, A-1010 Wien

20. November 2019: 

Universität Warschau, Institut für Germanistik, Professor Tkaczyk

22. November, 2019, 17.00-19.00 Uhr:

ul. M. Asłanowicza 2, Raum 107, 08-110 Siedlce

mit Verleger (Instytut Kultury Regionalnej i Badan Literackich imienia Franciszka Karpinskiego mit Herrn Prof. Andrzej Borkowsky)

26. November 2019:

Rzerzow

28. November 2019: 

Krakau

Siehe: Termine

Texte:

Texte

 

Die Verleihung des Nobelpreises an Peter Handke hat mich entsetzt. Nicht weniger oder noch viel mehr die Reaktion vieler Autorinnen und Autoren, prominenter und weniger prominenter, der hochkarätigen Runde nach der ZiB2, von Freunden und Freundinnen, an deren Intelligenz und edler Gesinnung ich keinen Zweifel hatte. Da wurde die große literarische Bedeutung Handkes hervorgehoben, die nichts mit seiner politischen Gesinnung zu tun habe, es wurde auf die

Verbrechen der kroatischen Ustascha hingewiesen und dass es sich ja nicht um den Friedensnobelpreis handle. Allenfalls wurde eingeräumt, Handke habe sich verrannt. Meine

Empörung war und ist immer noch groß. Und ich beschloss meine Meinung kurz und bündig zu formulieren und auf Facebook zu posten,. Es wurde mehrfach geteilt, es gibt nur wenige Likes, keine negative Reaktion. In einem weiteren Versuch, die Menschen zu erreichen und zu überzeugen,

schickte ich den Text an den Standard, wo er dieses Wochenende erschien und den ich hier, etwas erweitert, wiedergebe.

Zur Verleihung des Nobelpreises an Peter Handke

Der Nobelpreis hat neben seiner Funktion, ein Werk und seinen Autor/seine Autorin auszuzeichnen auch eine gesellschaftliche Funktion. Er ist auf der ganzen Welt bekannt. Auch Leute, die nie ein Buch lesen, sondern alle und nicht nur die arrogante gebildete Elite haben von ihm gehört und wissen, dass es die höchste Auszeichnung ist, die jemand bekommen kann. Weltweit. Und das ist bei der Verleihung des Preises an Handke der Punkt. Über sein Werk kann man streiten. Das literarische Urteil ist nicht objektivierbar, unterliegt unterschiedlichen Sichtweisen. Aber dass er am Grab eines Kriegsverbrechers eine Rede gehalten hat, ist eine Tatsache, die ihn der höchsten Auszeichnung nicht würdig macht. Ein Kriegsverbrecher bleibt ein Kriegverbrecher, auch wenn andere auch Verbrechen begangen haben. Im Falle des so medienwirksamen Nobelpreises (heute nicht anders als vor hundert Jahren) kann man Politik und Literatur nicht trennen. Was ist passiert? In Serbien wird gejubelt und die Opfer sind verletzt. Soll das ein Nobelpreis bewirken? Die Jubelnden und die Verletzten sind Leute, die aller Wahrscheinlichkeit nach keine einzige Zeile von Handke gelesen haben. Sind diese Leute einfach blöd und verstehen nichts von Literatur? Soll man ihnen sagen: es ist ja nicht der Friedensnobelpreis? Vielleicht kommen dann Leute und sagen: wenn jemand, der an Miloševićs Grab gesprochen hat, eine so hohe Auszeichnung bekommt, warum regt ihr euch dann auf, wenn wir Juden, Moslems und Fremde hassen und keine Flüchtlinge an Land lassen wollen? Der Nobelpreis ist eben kein beliebigere Preis, sondern würdigt den Menschen als Ganzes und rückt ihn in die mediale Aufmerksamkeit. In diesem Sinne ist ein Nobelpreisträger auch ein Vorbild, wie es z.B. Thomas Mann mit seinen Reden an die Deutschen zwischen 1940 bis 1945 war. Soll es vorbildlich für uns sein, einem Kriegsverbrecher zu huldigen?

 

Mit der Verleihung des Nobelpreises an Peter Handke ist eine Toleranzgrenze überschritten in einer Zeit, in der auch in der westlichen Welt Rassismus und Nationalismus in einer unerträglichen Weise salonfähig geworden sind.

 

Erschien in etwas kürzerer Fassung am 19.10.2019 in DerStandard, Kommentare der anderen, S 46.

Erscheint in der „Zwischenwelt“, Nummer 3-4, November 2019.

Allen Handke- Fans empfehle ich:

profil 43 vom 20. Oktober 2019, Seiten 58-59

Gregor Mayer: Warum ich Handke- Versteher nicht

verstehen kann

 

Zur Analyse des literarischen Werkes von Peter Handke empfehle ich folgenden Aufsatz: https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/peter-handke-als-serbischer-nationalist-ich-sehe-was-was-ihr-nicht-fasst-1597025.html

 

Zur historischen Analyse: 

Literaturnobelpreis: Peter Handke und die Jugoslawienkriege - Fragen stellen, um Fakten zu beugen | Literatur

https://www.fr.de/kultur/literatur/literaturnobelpreis-peter-handke-fragen-fakten-beugen-13113401.html

 

 Persönliches der Schauspielerin Marie Colbin aus dem Jahr 1999:

Handkes langjährige Lebensgefährtin erhebt schwere Vorwürfe gegen den Dichter | 21.05.1999

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_19990521_OTS0040/handkes-langjaehrige-lebensgefaehrtin-erhebt-schwere-vorwuerfe-gegen-den-dichter

Gedanken zu Clemens Setz' Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre"

Es handelt sich um den 2015 erschienen Roman, in dem der junge Autor eine wahnwitzige, verstörende, faszinierende, höchst kunstvolle, aber schwer zu entwirrende Handlung entfaltet und dabei ein geradezu philosophisches Gedankengebäude errichtet.

Ich möchte auf dieses Aufsehen erregende Opus Magnum der Gegenwartsliteratur aufmerksam machen und andere an meinen Versuchen, den Bedeutungsdschungel zu lichten, teilhaben lassen.

Beiträge zum Lesen und zum Herunterladen (im 14-Tage-Rhythmus):

Verfügbar   Beitrag
Anfang März   1. Der Roman 
Mitte März   2. Macht und Ohnmacht
Anfang April   3. „..., dachte Natalie.“
Mitte April   4. Natalies Vorstellungen
Anfang Mai   5. Wörter und die Macht von Sätzen
Mitte Mai   6. Christliche Motive und Schlussbemerkung
Anfang Juni   7. Was mich ganz persönlich an dem Roman fasziniert

Für zahlreiche klärende Gespräche danke ich Karin Raschhofer und

Karla Müller.

Weitere Texte